Evangelische Kirchengemeinde
Frankfurt (Oder)

Anspiel und Predigt zum Reformationstag, 31. 10. 2016, Kirche St. Georg zum Thema „Brot, von dem ich lebe…“ Von Pfarrerin Katharina Falkenhagen

ANSPIEL
Mann sitzt mit Tageszeitung in der Hand auf einem Sessel und brubbelt vor sich hin. Seine erwachsene Tochter kommt auf leisen Sohlen herein.
Tochter: Du, Papa??! Ich wollte dich mal was fragen.
Vater: Na dann frag doch. Blickt kurz auf und dann wieder in seine Zeitung.
Tochter: Papa, stimmt es, dass ihr in zwei Monaten Silberhochzeit habt?
Vater: Hmm. Jo.
Tochter: Das ist schon was Besonderes, oder?
Vater: Jo. Ist es.
Tochter: Das hört sich von dir jetzt aber nicht so an als ob du das so spannend findest.
Vater: Naja. Ist schon eine lange Zeit, fünfzig Jahre. Da ist auch manchmal einfach die Luft raus.
Tochter: Aha.
Vater: redet mit ein wenig mehr Begeisterung Ja, vor fünfzig Jahren, da war alles noch anders. Ha, da hättest du mal deine Mutter sehen müssen. Poah!!! Die war ein ganz schöner Kracher. Echt mal. Naja, und heute… Da sind wir immer noch knackig. Mal knackt es da und mal knackt es dort. Lacht in sich hinein. Die Tochter lacht etwas gezwungen.
Die Mutter betritt die Szene, stöhnt ein wenig und hält sich den Rücken. Der Vater stößt die Tochter an und flüstert ihr ins Ohr.
Vater: Siehste. Hab ich doch recht, oder?
Hinter der Mutter betritt die Nachbarin die Szene. Sie redet auf die Mutter ein.
Nachbarin: aufgeregt Mach das doch!!! Da bestellste einfach in de Gaststätte und haste keene Mühe weiter. Mensch, Hauptsache die Teller sind voll und du hast jenuch zu trinken für die Männer. Und für die Frauen bestellste en Likörchen… Fertig ist die Feier.
Vater: Halt mal die Luft an, Hildchen,  was denn für ne Feier?
Mutter: Ach, Alfred, nüscht weiter. Hildchen nervt mich schon die ganze Zeit. Ist doch Silberhochzeit bald. Sie meint, wir sollten das feiern.
Tochter: Siehste, Papa, das meine ich auch. Mal alle einladen und schön essen gehen…
Vater schaut Frau und Tochter unsicher bzw. fragend an.
Mutter: Ja, ich weiß… ist noch nicht so lange her mit deiner OP.
Nachbarin: wieder ganz aufgeregt Ja, meiner und icke, wir haben da auch die Familie eingeladen. Mehr als jutet Futter brauchste da nich…
Vater: Jetzt hört doch mal auf!!!!
Mutter: Mensch, Egon, ich könnte ja auch was backen. Die schöne Kirsch-Sahne-Torte. Die magst du doch so.
Tochter: Und ich könnte mich  um die Gaststätte kümmern. Da gibt’s drüben in Slubice so ein schönes Restaurant. Das wird euch gefallen. Große Portionen für wenig Geld. Da war ich schon mal mit den Kollegen.
Vater: nachdenklich zu seiner Frau  Ich weiß nicht so richtig. Wie wärs denn, wenn wir zwei beide mal wat unternehmen….  So wat mit Wellness und allem pipapo?  Ick denk mir: hebt belehrend den Zeigefinger  Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Det hat schon Jesus jesagt.
Mutter und Tochter schauen den Vater verdutzt an.
Nachbarin: Na, Egon, du bist ja nun wieder een janzer Schlauer.

PREDIGT
Liebe Gemeinde, der Friede unseres Herrn Jesus Christus und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.
Hier liegt es vor mir: Ein Brot. Heute Morgen schon angeschnitten, lädt es ein, weiter daran herum zu knabbern, es zu kosten. Dieses Brot führt uns hin zu dem Thema, das heute über unserem Gottesdienst zum Reformationstag steht: Brot, von dem ich lebe… Es führt uns hin zu der Frage: Wovon lebt der Mensch?
Als am 31. August 1928 im Theater am Schiffbauer Damm mitten im Arbeiterbezirk in der Nähe der Berliner Friedrichstraße die „Dreigroschenoper“ zur Uraufführung kam, begann damit eine anhaltende auch internationale Erfolgsgeschichte. In den Mittelpunkt seines modernen Musiktheaters stellte Berthold Brecht die Ballade über die Frage „Wovon lebt der Mensch?“  Man möchte meinen, ein ganzer Zug von verhärmten Gestalten mit erhobenen Fäusten stehe bedrohlich hinter dem Gaunerfürsten Macheath, wenn er - ganz auf Krawall gebürstet - singt:
Ihr Herrn, die ihr uns lehrt, wie man brav leben,
Und Sünd´ und Missetat vermeiden kann,
Zuerst müsst ihr uns was zu fressen geben,
Dann könnt ihr reden, damit fängt es an.
Ihr, die ihr euren Wanst und unsre Bravheit liebt,
Das eine wisset ein für alle Mal,
Wie ihr es immer dreht, und wie ihr es immer schiebt,
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
Erst muss es möglich sein auch armen Leuten,
Vom grossen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden.
Wovon lebt der Mensch?
Ohne Frage: Der Mensch braucht zu essen! Er braucht ein Dach über dem Kopf, er braucht ein tägliches Auskommen, um sich und seine Kinder zu ernähren. Er muss eine Chance auf körperliche und seelische Unversehrtheit haben. Und erst dann ist ihm - so Macheath – den Luxus der Moral zuzumuten.
Ende der zwanziger Jahre waren Millionen von Menschen in Deutschland von bitterster Armut betroffen. Massenarbeitslosigkeit und großes Elend gehörten für zahlreiche Familien zum Alltag. In den Mietskasernen der Großstädte herrschten Gewalt, Kriminalität und Hunger. Die Zeichnungen von Heinrich Zille oder Anna Seghers sind uns vertraut.
Trotz Armutsbericht und mancherlei Not muss in unserem Land niemand mehr hungern. Hunger nach Brot kennen wir von Bildern aus dem Fernsehen oder aus den Erzählungen der Groß- bzw. mittlerweile schon Urgroßeltern. Krieg und Vertreibung sind für uns zu Daten einer fernen Geschichte geworden.
Doch weniger Menschen sind es im weltweiten Maßstab nicht geworden, die sich täglich der Frage stellen müssen: Wovon werde ich heute leben? Weil sie in ihrem eigenen Land keine Chance auf Leben bzw. ein Leben in Würde haben, gehen manche – so sie die Mittel dafür haben - die Risiken einer lebensgefährlichen Flucht ein.
Wovon lebt der Mensch?
Vor dem soeben beschriebenen Hintergrund denken wir heute darüber nach, was wir tatsächlich zum Leben nötig haben. Ist es - wie Macheath meint - eine Sache der einfachen Nachordnung: Erst das Fressen und dann die Moral; oder gar der nachgeordneten Bedingtheit: Erst wenn du genug zu essen hast, wirst du auch moralisch gut handeln können?
Aufrichtige Kommunisten hatten die Vorstellung, dass Wohlstand für alle eine gute und gerechte Gesellschaft mit sich bringen würde. Wäre erst der Kommunismus errichtet, dann würde die Welt und jeder einzelne Mensch in Ordnung kommen. Allerdings lehrte uns die Erfahrung: So einfach ist es nicht. Wer genug zu essen hat, ist noch lange nicht gut. Und wer in Armut lebt, kann dennoch ein Leben führen, das von hoher Moral geprägt ist. Anhänger eines christlichen Utopismus wiederum hatten die Idee, dass nur alle Menschen zum Glauben kommen müssten und der Wohlstand für alle würde sich daraus ergeben. Auch diese Rechnung ging nicht auf.
Wovon lebt der Mensch?
Heute sind wir hier im Gottesdienst zusammen, weil wir uns besinnen auf das, was Martin Luther und viele seiner Mitstreiter neu in den Blick gerückt haben: Die frohe Botschaft unseres Herrn Jesus Christus wie sie in den heiligen Schriften formuliert und weiter gegeben wurde und wird.
Martin Luther gab durch die Übersetzung der Bibel seinen Zeitgenossen die Heilige Schrift als tägliche Speise für die Seele an die Hand. Die technischen Möglichkeiten des Buchdrucks taten dazu ihr Übriges. Heute ist die Bibel das meistgedruckte Buch der Welt und ist durch zahlreiche Übersetzungen Millionen Menschen zugänglich. Bibelgesellschaften haben es sich zur Aufgabe gemacht, Bibeln auch zu den Ärmsten der Armen selbst in die entferntesten Winkel der Erde zu bringen. Ist das, wie manche behaupten, der Versuch, Menschen unter ein religiös moralisches Joch zu drücken? Bedeutet die Verbreitung der Heiligen Schriften, bestehende Machtverhältnisse zu bewahren und den Hungrigen im Hunger zu belassen? Warum Bibeln, wo doch der Kampf gegen Ungerechtigkeit und Armut viel vorrangiger wäre?
Wovon lebt der Mensch?
Mein Mann Ullrich war in diesem Sommer mit einer Gruppe von Jugendlichen und Erwachsenen in den USA. Sie haben im Rahmen der Partnerbeziehungen zwischen unserer Kirche und der United Church of Christ verschiedene Gemeinde im Bundesstaat Pennsylvania besucht und dabei eine wichtige Erfahrung gemacht: Fast jede Gemeinde sieht sich in der Verantwortung für Arme, Kranke oder anderweitig benachteiligte Menschen ganz konkret da zu sein. Dieses Engagement ist jedoch verbunden mit einem deutlich missionarischen Anliegen. Menschen sollen sowohl von Jesus Christus erfahren als auch konkrete Hilfe zum Leben bekommen. Beide Anliegen greifen ganz und gar ineinander.
Ich denke, solch ein Gemeinde- und Glaubensverständnis ist ganz im Sinne unseres Herrn Jesus Christus selbst. Zum einen wies er den Teufel in seine Schranken als der ihn verführen wollte, aus Steinen Brot zu machen, um alle Hungrigen mit einem Schlag zu ernähren. Jesus sagte: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort Gottes. Zum anderen sorgte Jesus selbst immer wieder dafür, dass Menschen, die sich an ihn wandten, zu essen bekamen oder geheilt wurden. Und er forderte auch seine Freunde dazu auf, so zu handeln. Gebt ihr ihnen zu essen!  Im Johannesevangelium vergleicht Jesus sich selbst mit dem Brot, das Leben in Fülle ermöglicht.
Jesus Christus spricht – wir haben es in der Evangeliumslesung gehört: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.
Diesen Worten Jesu geht die Geschichte von der Speisung von 5000 Menschen voraus. Der Evangelist Johannes verzahnt also Sorge um den Leib und um die Seele ganz eng miteinander. Beides ist Teil der Verkündigung Jesu: Dasein für Menschen in der konkreten Fürsorge und gleichzeitig die Ermutigung, über die Sorge um den Leib und das tägliche Auskommen nicht die Sorge um das Seelenheil zu vernachlässigen. Beides gehört im Sinne Jesu unauflöslich zusammen.
Wenn die Seeräuberjenny in der Dreigroschenoper nun fragt: „Denn wovon lebt der Mensch?“ - was geben wir zur Antwort?
Wir können antworten mit dem Hinweis auf die zweite Bitte des Vaterunsers: Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld,  ...  Ja, wir brauchen unser tägliches Brot, ein Dach über dem Kopf und die Sicherheit, an Leib und Leben keinen Schaden zu nehmen. Ohne dem allen kann hier und überall auf der Welt kein Leben in Würde möglich sein. Doch ebenso sehr brauchen wir ein gutes menschliches Miteinander. Wir brauchen neben dem täglichen Brot Liebe und tägliche Vergebung, Respekt und das Zugeständnis von Würde. Wir brauchen die Gewissheit, dass unser kleines Leben einen Mehrwert hat. Wir brauchen Nahrung für den Leib und Nahrung für die Seele. Darum ist es sinnvoll und richtig, wenn im Namen Jesu Christi Not gelindert und gleichzeitig dem ermutigenden Wort Gottes Raum gegeben wird. Gottes Wort darf an jeden Menschen reichlich ausgeteilt werden.
Wir glauben: Gottes Wort schenkt Trost in Kummer und Not. Es schenkt Hoffnung. Ebenso ermutigt es zum Handeln. Es ist Brot, von dem wir leben. Jesus Christus spricht: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.
 


 
Predigt über Philipper 3,17.20-21 am 23. So. n. Trin., 30. Okt. 2016, St.-Gertraud-Kirche Frankfurt (O.) - Sup. Schürer-Behrmann

Am Anfang war alles gut. Es herrschten Eintracht und Harmonie. Alle zogen an einem Strang, und jede und jeder waren für den anderen oder die andere da. So möchten wir uns den Beginn des Christentums vorstellen. Und so wird er ja auch in der Apostelgeschichte des Lukas dargestellt, wenigstens, was die allerersten Wochen und Monate nach dem ersten Pfingstfest angeht. Aber so blieb es nicht, wenn es jemals so war. Wahrscheinlich müssen wir die berühmten Verse aus der Apostelgeschichte, „Sie hatten alles gemeinsam“, eher als ein Ideal verstehen, das sein Schöpfer Lukas in die Vergangenheit projizierte, um seine Leserinnen und Leser zu inspirieren, in diesem Sinne zu leben. Und das ist auch in Ordnung.

Es war nämlich anders. Die ersten Jahre und Jahrzehnte des Christentums waren ein hartes und manchmal erbittertes Ringen um den richtigen Weg, bei dem sich unterschiedliche Traditionen, Überzeugungen und Charaktere begegneten und miteinander Kämpfe austrugen. Wenn wir genau hinsehen, ist das Neue Testament voll davon.

Muss uns das unangenehm sein? Nein, harte Diskussionen gehören zu entstehenden Bewegungen dazu. Sie zeigen, dass es um lebenswichtige Fragen geht, um die mit ganzem Ernst gerungen wird. Und viele der Fragen des frühen Christentums sind bis heute aktuell: Wie stehen wir zum Staat – sollen wir Steuern zahlen oder nicht, und warum, und was bedeutet das für uns? Oder an anderer Stelle: Wie ist unser Verhältnis zu unserer Geschlechtlichkeit – können wir völlig freizügig sein, weil das ja alles nur irdische Dinge sind, die mit unserem Glauben nichts zu tun haben, oder müssen wir streng sein bis hin zum Zölibat für alle, weil unser Glaube alles bestimmen soll und da kein Platz mehr sein darf für irgendetwas Irdisches? Und überhaupt: Welchen Stellenwert hat die große Sache und welchen Stellenwert haben meine persönlichen Themen in meinem Leben? Ist neben der Botschaft noch Platz für meine Problemchen, oder muss ich sie ganz hinter mir lassen, obwohl sie mich doch immer wieder bewegen?

Unangenehm sein kann uns manchmal etwas anderes: Diese Auseinandersetzungen wurden nicht immer sachlich und fair mit Argumenten ausgetragen, im besten Fall unter der Berufung auf Jesus Christus selbst und auf die Tradition seines Volkes. Sondern sie waren manchmal auch unversöhnlich und bitter, mit gegenseitigen Beleidigungen und Verwünschungen, und umgekehrt mit dem Versuch, seine eigene Auffassung zu stärken, indem man sich, seine Herkunft, seine Bildung, seinen Charakter als überlegen darstellen wollte.

 

Und darum geht es Paulus in seinen Versen aus seinem Brief an die Christus-Gemeinschaft in der Phillipi im heutigen nördlichen Griechenland. Auch in Philippi stießen unterschiedliche Gruppen aufeinander. Ursprünglich siedelten hier Thraker, ein Volk, dass auf dem südöstlichen Balkan lebte. Aber die dominierende Gruppe in der Stadt waren hier angesiedelte römische Veteranen. Ihre römische Staatsbürgerschaft gab ihnen besondere Rechte und hob sie von der sie umgebenden Bevölkerung ab. Wie viele von ihnen wirklich zur Christusgemeinschaft gehört haben, können wir heute nicht sagen. Aber die, die dazugehörten, waren sicher in Gefahr, sich für etwas Besseres zu halten – und sie neigten vermutlich auch zu liberaleren Deutungen der christlichen Botschaft. Sie machten es ihnen möglich, zu Christus dazuzugehören, ohne deswegen ihr bisheriges Leben ganz aufgeben zu müssen. Sicher provozierten sie den Zorn einer weiteren Gruppe, die Paulus nur ein paar Verse vor unserem Predigttext nennt: Die Hebräer. Das sind die Angehörigen des jüdischen Volkes, die auch zur Christusgemeinschaft dazugehörten, die aber forderten, dass in ihr weiter alle Gebote und Regeln der jüdischen Gesetze strikt befolgt werden sollten, von den Speisegesetzen bis zur Beschneidung. Und gegenüber den privilegierten römischen Staatsbürgern führten sie ihre Zugehörigkeit zum Volk Israel als höheres geistlich-moralisches Privileg ins Feld …

In diese Spannung hinein spricht Paulus, wenn er sagt: Haltet euch an mein Vorbild, Brüder und Schwestern, und nehmt Euch ein Beispiel an mir. Wir haben doch schon jetzt unser Bürgerrecht im Himmel, bei Gott. 

Das klingt zunächst unbescheiden: Nehmt Euch ein Vorbild an mir – aber was Paulus damit meint, ist der Verzicht auf die Berufung auf hiesige Auszeichnungen, Würden und Rechte in der christlichen Gemeinde. Er war ja sogar beides, römischer Bürger und Angehöriger des Gottesvolks der Juden, aber ihm war beides unwichtig im Vergleich zu dem Dritten: Der lebendige Gott hatte sich gezeigt, aber nicht in einer Machtdemonstration, sondern in Jesus Christus‘ Verzicht auf alle Macht im Tod am Kreuz, durch das hindurch er zu einem neuen Leben bei Gott gelangte. Dieser ohnmächtig-allmächtige Gott hatte ihn angesehen, angesprochen und zu seinem Mitarbeiter gemacht, zu einem Bürger seiner kommenden neuen Welt. Nicht mehr, nicht weniger. 

Wobei diese kommende Welt noch nicht da ist, jedenfalls nicht umfassend und nicht sichtbar. Insofern ist das neue Bürgerrecht ein Anrecht, auf das Paulus fest vertraut, genauso wie darauf, dass er selbst in dieser neuen Welt seinerseits verwandelt wird: Jesus Christus wird unseren schwachen, vergänglichen Körper verwandeln, so dass er genauso herrlich und unvergänglich wird wie der Körper, den er selbst seit seiner Auferstehung hat. Denn er hat die Macht, alles zu unterwerfen. 

 

Liebe Gemeinde, das ist lange her. Ob Paulus gehört wurde? Wir wissen nicht, wie die Menschen in der Gemeinschaft aus Philippi reagiert haben. Ob es ihnen gelungen ist, ihre Identitäten, auf die sie doch so stolz waren, zurückzustellen? Ob sie einander offen, auf Augenhöhe, als durch Christus gleichzeitig beschämte und Beschenkte begegnen konnten? Ob sie begannen beginnen, ihrem neuen Bürgerrecht entsprechend zu leben?

Wir wissen, dass das Christentum selbst neue Hierarchien und Würden ausgebildet hat, mit Priestern, Bischöfen und Päpsten. Und manche Menschen haben in ihrem Christ-Sein auch selbst eine besondere Würde gesehen, wenn sie als angesehen Mitglieder von christlichen Gemeinden besonderen Respekt verlangten oder besonderes gehör für ihre Meinungen oder Traditionen einklagten. 

Aber Paulus‘ Worte sind auch immer wieder gehört worden: So war die Reformation Martin Luthers und vieler anderer ein kräftiger Aufruf war, sich auf unseren Grund in Jesus Christus am Kreuz zu besinnen, und alles andere zu relativieren: Ein Pfarrer ist ein Christ mit einer bestimmten Aufgabe, aber nicht besser oder schlechter als die anderen, und ein Bischof ist es genauso. Und denen, die meinen, als Christen etwas Besonderes zu sein, sagt Luther: 

„Das Christsein ist kein Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht Gesundsein, sondern Gesundwerden, nicht Sein, sondern ein Werden, nicht Ruhe (und Selbstzufriedenheit), sondern Übung. Wir sind’s noch nicht, wir werden’s aber. Es ist noch nicht getan und geschehen, es ist aber der Weg. Es glüht und glänzet noch nicht alles, es bessert sich aber alles.“ Und Karl Barth sagt es einfach: Wir müssen immer wieder mit dem Anfang anfangen.

 

Liebe Gemeinde, das ist lange her. Können wir das heute hören wie damals die Philipper? Ich möchte Paulus zwei Fragen stellen und versuchen mir vorzustellen, wie er antworten würde: 

Die erste heißt: Das Bürgerrecht im Himmel, ist das nicht eine Weltflucht und ein Auferstehungsleib eine fromme Fantasie? Später wird alles gut, sogar perfekt, und das Hier und Jetzt hat keine Bedeutung mehr? 

Darauf könnte Paulus sagen: Nein, so ist es nicht. Denn mit Jesus Christus ist der Himmel nicht mehr von der Erde getrennt. Er ist in die Welt eingebrochen. Er hat sie noch nicht ganz verwandelt, aber an vielen Stellen ist seine Kraft und Gegenwart zu spüren, wenn Menschen in Gottes Geist gleichzeitig von sich absehen und über sich hinauswachsen, im Einsatz für Andere und für die Schöpfung. Dann werden sie auch schon verwandelt, und sie beginnen schon zu strahlen: Das ältere Ehepaar, dass sich um die Enkel oder einen Flüchtling kümmern, die junge Lehrerin, die sich in einem schwierigen Umfeld für ihre Klasse einsetzt, die Freiwilligen, die einen Wald oder einen Strand aufräumen und den Tieren wieder Raum zum Leben schenken. Wie die Vollendung aussieht, wann sie kommt und in welcher Dimension, das kann ich auch nicht sagen und es ist Gottes Geheimnis, aber ich vertraue darauf, dass wir bei ihm unseren Platz finden und miteinander ganz und heil werden.

Die zweite Frage: Und wem würdest Du heute sagen:  Haltet Euch an mein Vorbild, und denkt daran, dass unser Bürgerrecht im Himmel liegt? 

Da könnte er antworten: Natürlich allen, die die Bürgerrechte auf der Welt zu ernst nehmen und die Menschen danach ordnen und bewerten wollen. Die Staatsangehörigkeit ist eine weltliche rechtliche Festlegung, die gut ist, wenn sie zum Leben hilft, und die schlecht ist, wenn sie Leben und Liebe behindert. Und genauso ist es mit den Traditionen der Völker und der Religionen. Gott steht über dem allen, und er hat sich am Kreuz dorthin begeben, wo ein Mensch von dem allen nichts hat und sich auf nichts berufen kann, sondern nur um Mitgefühl und Solidarität bitten kann. 

Das ist das Geschenk der Christen: Dass sie alle Berufungen auf angestammte Rechte, Ansprüche und Identität nicht nötig haben, sondern aus der Beziehung zu dem gekreuzigten und auferstandenen leben können. 

Und das ist die Aufgabe der Christen: Dass sie auch von anderen keinen Beweis ihrer Rechte und Ansprüche verlangen, sondern ihnen, ob groß oder klein, alt oder jung, hiesig oder dazugekommen, fleißig oder gemütlich, streng oder freisinnig, rechtschaffen oder grenzwertig, dass wir ihnen auf Augenhöhe begegnen und ihnen in Wort und Tat helfen, Gott und seiner neuen Welt zu begegnen.

„Haltet Euch an mein Vorbild, Brüder und Schwestern, und nehmt Euch ein Beispiel an denen, die so leben, wie ihr es an mir seht. Wir haben nämlich schon jetzt Bürgerrecht im Himmel, bei Gott. Von dort her erwarten wir (täglich) auch unseren Retter, Jesus Christus, den Herrn. Er wird unseren schwachen, vergänglichen Körper verwandeln, so dass er genauso herrlich und unvergänglich sein wird wie der Körper, den er selbst seit seiner Auferstehung hat. Denn er hat die Macht, alles seiner Herrschaft zu unterwerfen.“ Mögen diese Worte heute auch zu uns sprechen.

Amen.

 

 
Predigt über Römer 10,9-17 am 17. Sonntag nach Trinitatis, St.-Gertraud-Kirche, Frankfurt (Oder) - Sup. Schürer-Behrmann
I
Liebe Gemeinde, ich vermute, viele von uns kennen das Buch und den Film „Die Welle“, oder haben wenigstens schon einmal davon gehört. In der Handlung geht es um ein gefährliches Experiment. Ein Lehrer will seiner Schulklasse ihre Verführbarkeit deutlich machen. Dazu führt er einerseits strenge und willkürliche Regeln ein, an die sich alle halten müssen. Andererseits gibt er Einzelnen Aufgaben, in denen sie sich wichtig fühlen können, und installiert Rituale, die ein Gemeinschaftsgefühl fühlen lassen sollen. Auf dieser Grundlage werden dann Einzelne ausgeschlossen, die sich nicht an die Regeln halten wollen. Buch und Film, eigentlich sind es sogar Filme, beruhen auf wahren Gegebenheiten. Als das Experiment bereits 1967 in der Wirklichkeit durchgeführt wurde, wurde es nach fünf Tagen abgebrochen, weil der Lehrer so erschreckt über die Verführbarkeit seiner Schülerinnen und Schüler war. Liebe Gemeinde, die Welle – in diesem Experiment zeigen sich die Macht von Worten und bewusst eingesetzter persönlicher Überzeugung. Eine menschenfeindliche Gesellschaft ergibt sich nicht urwüchsig als Naturkatastrophe, sondern kann das Ergebnis von bewusst eingesetzten Manipulationen sein.
 
II
Ihr ahnt: Ich frage mich, ob wir gerade bei uns so eine Welle erleben. 
Ja, im vergangenen Jahr kamen etwa eine Million Flüchtlinge nach Deutschland. Das war ein großer Akt der Menschlichkeit. Sicher, es stimmt: Ja, wenn jedes Jahr eine Million Flüchtlinge kämen, wäre das auch eine große Herausforderung für unsere Gesellschaft. Aber aktuell ist die Zahl der Flüchtlinge enorm verringert, und die Angekommenen werden erfasst und entsprechend ihren Möglichkeiten beim Einfinden in das Land, das für die nächsten Jahre ihr Zuhause sein wird, unterstützt. 
Natürlich gibt es Schwierigkeiten, aber für die übergroße Anzahl der Angekommenen gilt: Erwachsene machen Deutschkurse und zum Teil schon Ausbildungen, manche haben schon Arbeit gefunden. Die Kinder kommen in die Schulen und lernen vielfach mit Begeisterung Deutsch. Unter vielen der Flüchtlinge besteht eine große Bewunderung und Dankbarkeit für das Land, das sie aufgenommen hat, bis hin zur Identifikation mit den Fußballmannschaften und der Nationalmannschaft – da sagen sie schon „wir“. In den Ursprungsländern der Flucht wird diese Aufnahmebereitschaft, als Zeichen der Menschlichkeit gesehen und nicht vergessen werden, und in der Zukunft eine Quelle von Verständigung und Frieden sein können. Sehr vieles ist auf einem guten Weg.
Und trotzdem gibt es bei uns Menschen und Gruppen, die nicht diese guten Erfahrungen benennen oder bei konkreten Problemen, die es natürlich auch gibt, nach pragmatischen und effektiven Lösungswegen suchen. Sondern sie schüren Ängste und malen die Apokalypse an die Wand. Ich weiß gar nicht, wie klar sie sich über ihre Ziele sind. Aber wenn ihre Bewegung sich verstärkt, dann sind nicht nur die Flüchtlinge gefährdet. Dann sind auch die gefährdet, die in einem veränderten Land sich nicht an alle Regeln halten und alle Rituale mit vollziehen wollen, die dann aufgestellt werden. Wir werden sehen, wie viel Kraft diese Welle bekommt.
 
III
Liebe Gemeinde, der Apostel Paulus erzählt auch von einer Welle. Aber es ist eine andere Welle, keine Welle der Angst und der Feindseligkeit, die auf Regeln, Kontrolle und Grenzziehungen pocht. Sondern es ist eine Welle des Vertrauens und der Hoffnung, die Freiheit, Versöhnung und Gemeinschaft bringen will. 
Dabei hätten die Menschen in seiner Zeit auch Grund zu Angst und Abgrenzung gehabt. Die Zeit war viel rauer und brutaler, als wir es heute in Mitteleuropa erleben. Die Kriege der verschiedenen Machthaber brachten den Völkern Leid und Elend  - und das Kreuz Jesu Christi war das sichtbare Zeichen dafür, was Menschen blühte, die aus der Reihe tanzten. Viele Menschen reagierten mit der Logik der kleinen Leute, die ich noch von meinem Großvater gelernt habe: „Immer schön ruhig bleiben und nur nicht freiwillig melden.“ Wer sich zu sehr hervortut, läuft Gefahr, dass er zurecht gestutzt wird, bis er wieder ins Glied passt. 
Und religiös entspricht dieser Logik der Rückzug in abgeschlossene Gemeinschaften mit streng begrenztem Zugang, in denen man sich vertrauen kann und die mit eindeutigen Regeln funktio-nieren. So entstand unter anderem das rabbinische Judentum als Schutzhafen in einer bestenfalls gleichgültigen, schlimmstenfalls feindlichen Umwelt. Es war eine Sub-, ja eine Parallelkultur für Menschen aus Israel, die es in die Weiten des römischen Reiches und sogar darüber hinaus verschlagen hatte. Dort hielten sie nun in der Fremde zusammen und glaubten an ihrem unsichtbaren und gerechten Gott, aber ihren Zusammenhalt sicherten sie auch mit strengen Regeln ab. Entweder Du gehörst zu uns oder zu ihnen, ein Dazwischen gibt es nicht, und schon ein gemeinsames Essen mit einem von ihnen reicht, dass Du nicht mehr zu uns gehörst, wer weiß, was daraus noch folgen könnte. Und mit dieser Strategie hat das rabbinische Judentum ja seine Existenz tatsächlich über Jahrtausende gesichert.
 
IV
Aber Paulus‘ Vision war eine andere: Er glaubte auch an den unsichtbaren und gerechten Gott, der die Welt geschaffen und das Volk Israel aus der Sklaverei befreit und ihm die lebensspen-denden Gebote gegeben hatte. Aber seit seiner Begegnung mit Jesus Christus konnte er sich nicht mehr vorstellen, dass die Botschaft von diesem Gott und sein Segen nur einem Volk, nur einem Teil der Menschheit vorbehalten waren. Sondern er war überzeugt, dass die unsichtbare Gottheit der Freiheit und der Gerechtigkeit alle Menschen und die ganze Welt ansprechen und verwandeln wollte. Und dazu mussten nach seiner Überzeugung nicht alle so werden, wie sein Volk und er bereits waren. Sondern es war genug, dass sie den Juden Jesus als Gottes Gesandten anerkannten und vertrauten, dass er nicht tot war, sondern lebendig und gegenwärtig: 
Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht, und wenn man mit dem Mund bekennt, so wird man gerettet.
Und in diesem Glauben gibt es keine Grenzen mehr zwischen den Völkern: Es ist hier kein Un-terschied zwischen Juden und Griechen, es ist über alle derselbe Herr, reich (genug) für alle, die ihn anrufen. Denn wer den Namen des Herrn anruft, der soll gerettet werden (Joel 3,5), (mehr braucht es nicht!)
So würde eine neue Menschheit als Gottes Volk entstehen. Dazu braucht es aber die Stimmen derer, die sich von Jesus haben begeistern lassen: „Wie lieblich sind die Füße der Freudenvoten, die Gutes verkünden!“
So entsteht eine andere Welle: Die Menschen wissen, dass das Leben in der Welt nicht einfach ist und das es viele Gefahren gibt. Aber sie machen sich nicht gegenseitig Angst, sie grenzen sich nicht untereinander ab, sondern sie erzählen von dem Gott, der für alle da ist und alles ver-wandeln kann. 
Und mit der Überwindung der Angst vor den Anderen und den Gefahren der Welt ist auch die Überwindung der Angst vor sich selbst und der Gewinn innerer Freiheit verbunden. Ich muss mich nicht mehr in strenge Regeln pressen, damit ich keine Fehler mache und weder für mich noch für andere zur Gefahr werden. Gott führt das Regiment, und wenn ich einen Fehler mache, ist er bei ihm aufgehoben. Ich kann es noch einmal versuchen. Wer weiß, ob sich Gott meinen Fehler nicht auf überraschende Weise zunutze machen kann. Das heißt natürlich nicht, dass ich Fehler bewusst begehe oder dass sie mir egal wären, aber sie müssen mich nicht beherrschen und ein Fehler stellt nicht meine ganze Gottesbeziehung und mein Vertrauen in Frage. Noch einmal:
Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht, und wenn man mit dem Mund bekennt, so wird man gerettet.
 
V
Aber das ist tatsächlich nötig: Dass wir es glauben und mit dem Mund bekennen und weiterge-ben, sonst kann auch diese Welle nicht wachsen. Damit meine ich keine fundamentalistische und kämpferische Mission: So musst Du glauben, sonst wirst Du nicht gerettet! Schon gar nicht gegenüber dem jüdischen Volk, gegen die dieser Text im Laufe der Jahrhunderte gewandt worden ist und das Gott doch kennt.
Sondern ich meine: Gegenüber allen anderen Herrn, gegenüber aller Angst und Angstmache halte ich mich an diesen Herrn und an diesen Gott, und ich spreche davon. Ich glaube, dass die Welt nicht verloren ist, sondern in seinen Händen aufgehoben. Ich glaube, Jesus‘ auf seinem Weg zu folgen, das ist der Weg, wie wir unsere Welt und unsere Leben gewinnen, und nicht der Eintritt in eine Spirale der Angst und er Absicherung: So steht es doch geschrieben steht: „Wer sein eben erhalten will, der wird es verlieren;  wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s erhalten.“ (Lk 9, 24)
Liebe Gemeinde, wie sollen wir uns verhalten in dieser Zeit? Uns aus der Welt zurückziehen, in der Angst gemacht wird und Hoffnung und Glaube manchmal auch lächerlich gemacht werden? Ich glaube: Das dürfen wir der Welt nicht antun:  „Wie sollen sie Gott anrufen, wenn sie nicht glauben?“ Aber wie sollen sie glauben, wenn sie nichts gehört haben!?“ Der Glaube und das Vertrauen kommen doch daher, dass es Menschen gibt, die anderen Menschen Mut und Vertrauen zusprechen. 
 
VI
Ist das nicht zuviel verlangt? Liegt uns nicht der Weg des rabbinischen Judentums näher, nun in eine abgeschlossene christliche Gemeinschaften? Und woher kommt unser Glaube und Vertrauen? Das ist nun das Letzte: Wir müssen sie nicht aus uns selbst schaffen. Sondern wir können uns anlehnen, wir können uns erfüllen lassen durch das Wort Christi. Aus ihm kommen unsere Kraft und unser Glaube. Wir können zu ihm hinsehen und uns von ihm orientieren und stärken lassen und seine Worte weitergeben, entweder wörtlich, oder wenn in wir ihren Geist mit unseren Worten weitergeben. Und dann sind nicht wir es, sondern dann wird es er sein, der in unserer Zeit spricht:
Selig sind nicht die, die ihren Reichtum verteidigen, sondern: Selig sind die geistlich Armen.
Selig sind nicht die, die sagen, was kümmert mich fremdes Elend, sondern: Selig sind, die Leid tragen.
Selig sind nicht die, Stärke demonstrieren, sondern. Selig sind die Sanftmütigen. 
Selig sind nicht die, die Regeln durchsetzen , sondern: Selig sind die Barmherzigen!
Selig sind nicht die, die von Kriegen zwischen den Völkern sprechen und sich dafür rüsten wollen, sondern: Selig sind die, die Friedenstiften, sie werden Töchter und Söhne Gottes heißen.
Wenn Du mit deinem Mund bekennst, das Jesus der Herr ist, und mit deinem Herzen glaubst, dass er lebt, so wirst du gerettet. Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die Gutes verkündigen. Liebe Gemeinde, lasst uns mit ihnen unterwegs sein und mit ihnen Gottes Liebe mit unseren Worten weitergeben. Dann werden wir glücklich. Amen. 
 
 

 


 
Predigt zu Christi Himmelfahrt 2016 an der St.-Gertraud-Kirche von Pfr. Tobias Kirchhof

I. Bezugs- bzw. Predigttext

 

I.1. Led Zeppelin: Stairway to Heaven

There's a lady who's sure all that glitters is gold 

And she's buying a stairway to Heaven 

When she gets there, she knows if the stores are all closed 

With a word she can get what she came for 

Ooh-ooh-hoo, hoo-ooh-ooh-ooh-ooh 

And she's buying a stairway to Heaven 

 

There's a sign on the wall, but she wants to be sure 

'Cause you know sometimes words have two meanings 

In a tree by the brook there's a songbird who sings sometimes 

All of our thoughts are misgiven 

 

Ooh, it makes me wonder 

Ooh, it makes me wonder 

 

There's a feeling I get when I look to the west 

And my spirit is crying for leaving 

In my thoughts I have seen rings of smoke through the trees 

And the voices of those who stand looking 

 

Ooh, it makes me wonder 

Ooh, really makes me wonder 

 

And it's whispered that soon, if we all call the tune 

Then the piper will lead us to reason 

And a new day will dawn for those who stand long 

And the forests will echo with laughter 

 

Oh-whoa-whoa-whoa-whoa-ho-oh 

 

If there's a bustle in your hedgerow, don't be alarmed now 

It's just a spring clean for the May Queen 

Yes, there are two paths you can go by 

But in the long run 

There's still time to change the road you're on 

 

And it makes me wonder 

Oh-oh-ho 

 

Your head is humming and it won't go - in case you don't know 

The piper's calling you to join him 

Dear lady, can you hear the wind blow 

And did you know your stairway lies on the whispering wind, oh 

 

And as we wind on down the road 

Our shadows taller than our soul 

There walks a lady we all know 

Who shines white light and wants to show 

How everything still turns to gold 

And if you listen very hard 

The tune will come to you at last 

When all are one and one is all, yeah 

To be a rock and not to roll 

 

And she's buying a stairway to Heaven

 

I.2. Übersetzung

Es gibt eine Dame, die sich sicher ist, dass alles Gold ist, was glänzt.

Und so erwirbt sie eine Treppe in den Himmel (= die Stufen ins Glück).

Sie weiß, wenn sie dort ankommt, kann sie mit einem Fingerschnippen alles 

bekommen, weswegen sie herkam.

Und sie erwirbt eine Treppe in den Himmel.

Das ist ein (Hinweis-)Schild an der Mauer, doch sie will sich sicher sein, 

denn, ihr wisst, manchmal sind Worte doppeldeutig.

In einem Baum am Bach zwitschert ein Singvogel,

manchmal sind all unsere Überlegungen vergeblich.

Oh, das erstaunt mich, 

ach, das verwundert mich.

Wenn ich nach Westen schaue, bekomme ich so ein Gefühl,

und meine Seele schreit nach Aufbruch.

In meiner Vorstellung sah ich zwischen den Bäumen Rauchringe und 

die Stimmen jener aufsteigen, die glotzend herumstanden.

Oh, das erstaunt mich, 

oh, das erstaunt mich wirklich.

Und es wird gemunkelt, dass bald, wenn wir alle in Einklang sind,

wird uns der Verführer zur Vernunft bringen.

Und ein neuer Tag wird für jene anbrechen, die ausharrten,

und die Wälder werden mit Gelächter antworten.

Wenn Hektik in deiner Hecke ausbricht, mach' dir keine Gedanken,

es ist nur der Frühjahrsputz für die Maikönigin.

Ja, es gibt zwei Wege, die du beschreiten kannst,

doch im Laufe des Lebens, kannst du dich immer noch für den anderen entscheiden.

Und das erstaunt mich.

Dein Schädel brummt und das wird nicht aufhören,

falls du es nicht weisst, der Verführer wird dich auffordern, ihm zu folgen.

Liebe Dame, merkst du nicht, woher der Wind weht?

Und hast du nicht begriffen, dein Weg (zum Glück) liegt im Ungewissen?

Und so wie wir den (Lebens-)Weg abspulen, unsere Schatten größer als unser Herz,

geht da eine Dame, die wir alle kennen, die in weißem Licht erstrahlt und uns zeigen will, wie sich alles immer noch in Gold verwandelt.

Und wenn du ganz genau hinhörst, wird der Einklang schließlich auch dich erreichen, wenn alle eins sind und eines alles bedeutet, ja, ein Felsen zu sein und sich nicht mehr zu bewegen.

Und sie erwirbt eine Treppe in den Himmel.

 

 

 

 

I.3. Genesis 27,41ff.

Und Esau war Jakob gram um des Segens willen, mit dem ihn sein Vater gesegnet hatte, und sprach in seinem Herzen: Es wird die Zeit bald kommen, dass man um meinen Vater Leid tragen muss; dann will ich meinen Bruder Jakob umbringen. Da wurden Rebekka angesagt diese Worte ihres älteren Sohnes Esau. Und sie schickte hin und ließ Jakob, ihren jüngeren Sohn, rufen und sprach zu ihm: Siehe, dein Bruder Esau droht dir, dass er dich umbringen will. Und nun höre auf mich, mein Sohn: Mach dich auf und flieh zu meinem Bruder Laban nach Haran und bleib eine Weile bei ihm, bis sich der Grimm deines Bruders legt und bis sein Zorn wider dich sich von dir wendet und er vergisst, was du ihm getan hast; dann will ich schicken und dich von dort holen lassen. Warum sollte ich euer beider beraubt werden auf "einen" Tag? Und Rebekka sprach zu Isaak: Mich verdrießt zu leben wegen der Hetiterinnen. Wenn Jakob eine Frau nimmt von den Hetiterinnen wie diese, eine von den Töchtern des Landes, was soll mir das Leben?

 

Da rief Isaak seinen Sohn Jakob und segnete ihn und gebot ihm und sprach zu ihm: Nimm dir nicht eine Frau von den Töchtern Kanaans, sondern mach dich auf und zieh nach Mesopotamien zum Hause Betuëls, des Vaters deiner Mutter, und nimm dir dort eine Frau von den Töchtern Labans, des Bruders deiner Mutter. Und der allmächtige Gott segne dich und mache dich fruchtbar und mehre dich, dass du werdest ein Haufe von Völkern, und gebe dir den Segen Abrahams, dir und deinen Nachkommen mit dir, dass du besitzest das Land, darin du jetzt ein Fremdling bist, das Gott dem Abraham gegeben hat. So entließ Isaak den Jakob, dass er nach Mesopotamien zog zu Laban, dem Sohn des Aramäers Betuël, dem Bruder Rebekkas, Jakobs und Esaus Mutter. Nun sah Esau, dass Isaak Jakob gesegnet und nach Mesopotamien entlassen hatte, um sich dort eine Frau zu nehmen; er hatte ihn nämlich gesegnet und ihm geboten: Du sollst dir keine Frau nehmen von den Töchtern Kanaans. Auch sah Esau, dass Jakob seinem Vater und seiner Mutter gehorchte und nach Mesopotamien zog und dass Isaak, sein Vater, die Töchter Kanaans nicht gerne sah. Da ging er hin zu Ismael und nahm zu den Frauen, die er bereits hatte, Mahalat, die Tochter Ismaels, des Sohnes Abrahams, die Schwester Nebajots, zur Frau. 

 

 

 

I.4. Predigttext: Genesis 28,10-19a

Aber Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran und kam an eine Stätte, da blieb er über Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm einen Stein von der Stätte und legte ihn zu seinen Häupten und legte sich an der Stätte schlafen. Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Und der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden. Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe. Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht! Und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels. Und Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein, den er zu seinen Häupten gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Steinmal und goss Öl oben darauf und nannte die Stätte Bethel.

II. Predigt

Christi Himmelfahrt. Der Auferstandene schwebt in guter jüdischer Tradition seinen Anhängern davon. Wie vor ihm schon Elia und Henoch ist er der Dritte, der auf diese Weise die Welt verlässt. Zugegeben, im Gegensatz zu ihnen, hatte er vorher noch Leid, Tod und Auferstehung durchzustehen. Auch stellt ihm sein Vater keinen Feuerporsche, sondern nur einen entschleunigten Wolkenaufzug zur Verfügung. Aber das Resultat ist das gleiche. Ein One-Way-Ticket in den Himmel, ein letzter Gruß, ein Nimmerwiedersehen. Ich bin dann mal weg. 

 

Einer von drei. Im Vergleich zur gesamten Menschheit seit Adams Zeiten eine wirklich exklusive Herrengruppe. Bis zum 15. August. Dann ist Mariä Himmelfahrt. 

 

Ein Kopfkissen in der Wüste. Ein Stein. Wen wundert‘s, dass einem da komische Träume kommen. Wer hart schläft, der sollte vorsichtig sein mit der Freudschen Traumanalyse. Und Jakob verzichtet ganz darauf. Er träumt, als ob er wacht. Was er schlafend im Dunkel sieht, das wird ihm zur taghellen Wahrheit. Eine Leiter zum Himmel. Engel mühen sich darauf ab. Flügel werden überbewertet.

 

Ein flüchtiger Blick nach hinten, niemand folgt. Ein Glück. Hat es sich gelohnt? Hat es sich gelohnt meinen Bruder zu betrügen? Um sein Erstgeburtsrecht? Um den väterlichen Segen? Mit Tod droht er mir. Sobald unser Vater gestorben ist, will er mich ermorden. Erstgeburt gegen Linsen, Segen gegen Leben, Auge um Zahn. Der Ausweg. Die Flucht. Getarnt als Brautreise. Wer schon hier in der Fremde leben muss, der muss sich ja nicht gleich fremde Frauen heiraten. Schlechtes Blut, schlechte Familien. Wer eine Fremde heiratet, der wird sich selbst fremd. Lieber die eigene Cousine. Da bleiben die Kinder in der Familie. 

 

Ein Kopfkissen in der Wüste. Ein Stein. Eine Leiter mit Engeln. Und oben, Gott selbst an ihrer Spitze. „das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden.“

 

And she's buying a stairway to Heaven. Denn das Land unter der Treppe, unter dieser Leiter ist mein, soll mein werden. Segen regnet auf mich, wenn ich hier den Zugang zum Himmel eröffne. Stairway to Heaven, Turm zu Babel, Flug zum Mond, Wolkenkratzer, Kirchturmspitze, das große Los, multiple Orgasmen. Immer geht es um den Zugang zum Himmel. Immer ist er die Garantie meines Glücks auf Erden.

 

Ein Kopfkissen in der Wüste. Ein Stein. Eine Leiter mit Engeln. Ich fühle mich abgekoppelt. Klar, jede Leiter, auf die ich steige, führt in den Himmel, jede Treppe nach oben. Zumindest wenn man sie nur in eine Richtung nutzt. Aber ich kann sie nicht nur in eine Richtung nutzen. Ich steige auf und steige wieder hinab. Das Land unter der Leiter gehört nicht mir. Meine Nachkommen breiten sich nicht aus. Bin ich ein Engel? Bin ich nicht gesegnet?

 

And she's buying a stairway to Heaven. Aber die Himmelstreppe steht nur nachts. Die Pforte zum Himmel steht nur offen, wenn ich schlafe. Mein Zugang zum Himmel ist ein Traum. Wenn ich wach bin, gibt es keinen Heaven. Da ist nur Sky. Das Kissen ist wieder ein Stein. Bethel, das Haus Gottes – ein Haufen Steine, übergossen mit Öl.

 

Christi Himmelfahrt. Jesus fährt auf den Wolken. Er sitzt zur Rechten Gottes des Vaters. Von dort wird er kommen … kommen zu mir.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus! Amen

 

 

Tobias Kirchhof

 

 
Pfrn. Neumann: Predigt vom Palmsonntag 2016 in der Kapelle WichernDiakonie
Liebe Gemeinde,
„Ein König kommt!“ - „Der König kommt!“ 
Als die Leute in Jerusalem sich das in jenen Tagen vor dem Passafest gegenseitig erzählt haben, mag das ähnliche Reaktionen ausgelöst haben, wie heute, wenn die Menschen in Berlin hören: der Ministerpräsident von Ungarn oder der König von Belgien kommt. An Staatsbesuche ist man gewöhnt, ärgerlich bloß, dass wieder höchste Sicherheitsstufe herrscht und Straßen gesperrt werden, damit die Staatsgäste gefahrlos und ohne Stau von A nach B kommen. 
Ganz ähnlich mag damals die Haltung der Menschen gewesen sein: König aus Galiläa? … Nachkomme David? … von Gott gesandt … na und - das Sagen haben doch sowieso andere – die Römer, die Hohenpriester, Herodes Antipas, Archelaus, … Und außerdem – nach allem, was man so hört, will der ja gar kein König sein.
Das – so mögen andere entgegnet haben – das ist ja gerade das Besondere an ihm. Ehe er wie die normalen Könige von den Menschen erwartet, dass sie seinen Lebensunterhalt bezahlen mit ihren Steuern und sein Schloss finanzieren und für ihn arbeiten, ist er ganz für sie da, hilft ihnen ohne Angst zu leben und zeigt ihnen, wie sie Gott finden können.
Ach je, und wie soll uns das helfen gegen die Römer und die Oberen unter unseren Leuten, wie kriegen wir davon unsere Kinder satt oder können unsere Steuern und Abgaben zahlen? Wenn der – wie man hört – nicht mal ein Schwert in die Hand nehmen will, wie soll sich dann an den jämmerlichen Zuständen etwas ändern?
Und was sahen sie dann, als sie sich vielleicht doch aufmachten und sich diesen König wenigstens mal anschauen wollten?  (Man weiß ja nie und neugierig waren sie ja auch?) Da fanden sie dann alle ihre Worte bestätigt. Die einen sahen einen Gottgesandten, der sich nicht zu schade war, auf einem Esel zu reiten wie die gewöhnlichen Leute. Die anderen sahen einen Machtlosen, der nicht einmal ein ordentliches Reittier hatte, ganz zu schweigen von Krone oder Schwert.
Und so liefen sie ihm dann hinterher und jubelten oder wandten sich gleich wieder ab und gingen ihrer Wege, um weiter auf den zu warten, der kommen würde das Volk zu erlösen, wie es die Propheten versprochen hatten.
Am fröhlichsten waren wahrscheinlich wie immer die Kinder, klar hätten sie auch gern mal so einen richtigen König von ganz nahem gesehen, aber der da, den die Erwachsenen Jesus nannten, der soll ja zu allen Menschen freundlich sein, sogar zu den Kindern und das kann man ja nun wahrlich nicht von jedem König sagen. Und so sangen sie fröhlich mit ihr „Hossianna“ und kümmerten sich nicht um die bösen Blicke derer, die an den Ecken standen und das Treiben argwöhnisch beobachteten.
Denn im Gegensatz zu vielen anderen hatte die sehr wohl erkannt, wen sie da soeben in Jerusalem ankommen sahen. Auch sie hatten die Geschichten gehört, die ihm aus Galiläa vorausgeeilt waren und sie begriffen, welche Gefahr er war für das gut eingespielte System und das komplizierte Machtgefüge im Land. Wenn sie ihn nicht aus dem Wege schaffen würden, würde es für sie auch ohne, dass er Schwert, Krone oder Pferd hatte, riskant werden. Seine Worte waren es, seine so harmlos klingenden kleinen Geschichten aus dem Leben, sein Bild von Gott und sein unbedingtes Streben nach Gerechtigkeit für alle Menschen. Und er stellte die Machtfrage ganz anders: Wer groß sein will, soll für die anderen da sein, wer herrschen will, soll zunächst einmal dienen, und die, die nichts haben, denen wird Gottes Reich gehören. So kann man doch nicht regieren. „Mit der Bergpredigt ist keine Politik zu machen“, hieß das dann im 20.Jahrhundert.
Und so wird es wohl am Abend jenen Tages viele Gespräche gegeben haben, die Kinder werden von ihrem schönen Erlebnis mit den Palmen und den auf die Erde gelegten Kleidern berichtete haben, die Erwachsenen werden davon gesprochen haben, wie anders sie ihn sich vorgestellt hatten und hinter den Türen im Palast wird Pläne geschmiedet haben, wie man ihn los wird.
Und er? Er war mit seinen Jüngern irgendwo in Jerusalem zu Gast und erzählte den Menschen, die ihm zuhörten, von Gott, der alle Menschen liebt und der will, dass alle die Wahrheit erkennen. Und wusste, dass es nicht mehr lange dauern konnte, bis die Stunde der Entscheidung kam.
Amen.